Die Burgunwiese
Was bisher geschah
Neuhausen kommt in den Besitz der Burgunwiese
Die Burgunwiese hat bereits eine lange Geschichte hinter sich. Bereits 1949 versuchte die Gemeinde die Burgunwiese käuflich zu erwerben, um sie zumindest teilweise zu überbauen. Das Stimmvolk hat schon damals dankend abgesagt. Erworben wurde sie in der Folge vom Architekten Arthur Moser, aber nicht um sie zu überbauen, sondern um «den schönsten Platz in Neuhausen von der Verschandelung zu retten». Nach seinem Tod verkaufte seine Witwe Maria Moser-Billeter die Burgunwiese 1963 an die Gemeinde, diesmal allerdings mit einer Dienstbarkeit, die Burgunwiese für die nächsten 20 Jahre nicht für private Bauten zu benutzen. Diesmal stimmte der Stimmbürger dem Anliegen zu.
Neuhauser:innen blocken Überbauungsversuche ab
In der Folge wurde die Burgunwiese als Parkplatz, aber auch für Märkte oder als Chilbiwiese genutzt. Nach Ablauf der Dienstbarkeit versuchten die politischen Behörden die Burgunwiese mehrmals für Bauzwecke zu nutzen. Einmal stand ein Zivilschutzzentrum, ein andermal eine Tiefgarage und später noch Kindergärten zur Debatte. Alle Projekte wurden, teilweise auch per Gemeindeabstimmung, abgelehnt. In der Folge missbrauchte der Gemeinderat den Platz immer mehr als unansehnlicher, zeitweise sehr wenig benutzten Parkplatz und sogar als grossflächiges Lager für Baumaterialen.
Gemeinderat hält Überbauung für «alternativlos»
Im August 2014 sprach der damalige Gemeindepräsident Rawyler dann ein erstes Mal von einem öffentlichen Stadtpark und 2018 wurde dann mit der Gestaltung eines grosszügigen Spielplatzes ein erster Schritt in diese Richtung gemacht. Nur gerade drei Jahre später war es schon wieder vorbei mit diesen Bestrebungen. Nun sollte also ein grosser Teil der Burgunwiese mit einem neuen Pflegezentrum überbaut werden – und das auch noch möglichst schnell, denn die Standortwahl des Alterszentrum sei «alternativlos».
Komitee pro Burgunpark wird gegründet
Nachdem klar wurde, dass der Gemeinderat die Bevölkerung nur über den Bau eines Alterszentrums auf der Burgunwiese abstimmen lassen möchte, aber weder eine andere Variante zur Nutzung der Burgunwiese noch zum Standort des Alterszentrums zur Debatte stehen soll, haben einige Neuhauser:innen das Komitee pro Burgunpark gegründet. Das Komitee entschied, die Burgunpark-Initiative zu lancieren. Diese hatte zum Ziel, den Neuhauser:innen mehr Mitsprache zu ermöglichen und schlug als Alternative einen Stadtpark auf der gesamten Fläche vor, der Platz für die Bedürfnisse der gesamten Bevölkerung bieten soll.
Der grosse Zuspruch für einen Stadtpark auf der Burgunwiese hatte sich schon bei der Unterschriftensammlung abgezeichnet. Eine Rekordzahl von 587 Unterschriften kamen innert weniger Wochen zusammen. Das ist fast jede neunte stimmberechtigte Person in Neuhausen. Der Gemeinderat nahm den Erfolg der Unterschriftensammlung allerdings nicht zum Anlass, von seinem Vorschlag und seinem Vorgehen abzurücken, sondern hielt unbeirrt an seinen Überbauungs-Plänen fest. Auch die überwiegende Mehrheit der Parteien, des Einwohnerrates und des Gemeinderates hatten sich im Abstimmungskampf gegen die Initiative ausgesprochen.
57% der Neuhauser:innen schreiben Burgunpark in die Verfassung
Die Quittung kassierte der Gemeinderat an der Urne. Die Initiative wurde am 25. September 2022 mit 57 Prozent Ja-Stimmen deutlich angenommen, der Gegenvorschlag floppte. Die Burgunpark-Initiative sollte das Hin und Her mit der Burgunwiese ein für alle Mal beenden. Mit dem neuen Artikel 3a. in der Gemeindeverfassung ist festgehalten, dass die Burgunwiese von der gesamten Bevölkerung vollständig als Parkanlage genutzt werden kann und somit keine grösseren Bauten erstellt werden können. Damit verhilft die Initiative der ursprünglichen Absicht der Familie Moser nach fast 75 Jahren endlich zum Durchbruch.
SVP, FDP und ihre Gemeinderäte stiften Verwirrung
Der Gemeinderat hat nach seiner Abstimmungsniederlage einen Mitwirkungsprozess für die Erarbeitung der neuen Parkanlage durchgeführt und ein Projekt vorgelegt, das den unterschiedlichsten Bedürfnissen der Bevölkerung hätte gerecht werden sollen.
Der Mitwirkungsprozess scheiterte allerdings an der SVP und der FDP, die sich nach dem Mitwirkungsprozess zwar im Einwohnerrat noch hinter das Projekt gestellt hatten, nachher jedoch eine Gegenkampagne mit einem wilden Sammelsurium an Argumenten starteten. Selbst Gemeinderäte, die eigentlich der Konkordanz verpflichtet sind, lehnten ihr eigenes Burgunpark-Projekt plötzlich öffentlich ab und stifteten so Verwirrung.
Am 28. September 2025 scheiterte der Gemeinderat mit seiner lauwarmen Umsetzungsvorlage an der Urne. Deshalb müssen wir nun weiter auf den Burgunpark warten.
Alterszentrum mit Steilpass für SVP, FDP und ihre Gemeinderäte
Bis heute ist unklar, was den Ausschlag für diese Abstimmungsniederlage gegeben hat. Ein Argument war die fehlende Alternative für den Bau eines Alterszentrums. Doch kurz nach der Abstimmung präsentierten Altersheim und Spitex dann doch plötzlich noch einen neuen Standort – eine Information, die einen wesentlichen Einfluss auf das Abstimmungsergebnis einige Wochen zuvor hätte machen können, weil die Standortfrage bis dahin immer noch nicht geklärt war und zu Verunsicherung in der Bevölkerung führte.
Die Verwaltungskommission von Altersheim und Spitex, in der auch der Gemeinderat Einsitz hat, erwähnte jedoch aus unerklärlichen Gründen, dass sie weiterhin gerne auf der Burgunwiese bauen würden – obwohl das gar nicht möglich ist, wenn man die Verfassung respektiert.
SVP, FDP und ihre Gemeinderäte wollen Verfassungsartikel wieder streichen
Die SVP nahm diese Erwähnung dankend auf und entschied zusammen mit der FDP im Einwohnerrat, dass die Bevölkerung in einer weiteren Abstimmung den Verfassungsartikel wieder streichen solle. Dies sei der Wunsch der Bevölkerung, behauptete ein SVP-Einwohnerrat nur drei Jahre nach der Abstimmungsniederlage dreist.
Der Gemeinderat nahm diesen Vorstoss dann sogar zum Anlass, gleich noch einen Schritt weiterzugehen und den Verfassungsartikel ins Gegenteil umzukehren. Statt die Burgunwiese frei zu halten, wie es der aktuelle Verfassungsartikel fordert, soll er so abgeändert werden, dass die Gemeinde dazu gezwungen wird, die Burgunwiese mit einem Alterszentrum zu überbauen.
SVP, FDP und ihre Gemeinderäte arbeiteten darum eine Variantenabstimmung aus, mit die Bevölkerung gefragt werden soll, ob sie den Artikel 3a wieder aus der Verfassung streichen oder ins Gegenteil umkehren sollen. Gegen diese Varianten setzt sich das Komitee pro Burgunpark erneut zur Wehr und empfiehlt klar: Zweimal Nein zu den politischen Spielchen.
Die Initiative
Die vier wichtigsten Argumente für die Initiative waren
1. Eine Auswahl für die Bevölkerung
Ein einziger Vorschlag des Gemeinderates zur Überbauung der Burgunwiese mit einem Alterszentrum reicht nicht aus. Die Bevölkerung soll mitbestimmen dürfen, wie die zentrale Burgunwiese künftig genutzt wird. Dafür braucht sie mehr als nur diesen einen Vorschlag, um entscheiden zu können.
2. Zukunft nicht leichtfertig verbauen
Wenn die letzte Freifläche im Zentrum erst einmal verbaut ist, lässt sich dies nicht mehr rückgängig machen. Wesentlicher Gestaltungsspielraum im Zentrum geht dadurch verloren. Die zahlreichen Neubauten mit ihren Neuzuzüger*innen werden Neuhausen aber verändern. Eine Gestaltung dieser Freifläche kann nicht ohne die Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der aktuellen und zukünftigen Generationen geschehen.
3. Gesamtentwicklung berücksichtigen
Der Gemeinderat hat die Wünsche einer einzigen Institution an erste Stelle gesetzt, ohne die Gesamtentwicklung der Gemeinde zu berücksichtigen. Der Richtplan für die Gemeinde liegt erst seit kurzem vor und muss erst diskutiert werden. Die Gestaltung der zentralsten Freifläche Neuhausens sollte in diese Diskussion einfliessen.
4. Eine nachhaltige Investition
Mit der Bevölkerung zu sprechen und bedarfsorientiert zu planen, zahlt sich mit mehr Lebensqualität aus. Das darf die Gemeinde auch etwas kosten. Der aktuelle Mitwirkungsprozess mit einigen handverlesenen Vereinsvertreter*innen und Politiker*innen sowie die erstellten externen Studien sind dagegen noch lange keine Garantie dafür, dass die Anliegen der Bevölkerung tatsächlich erkannt und aufgenommen werden.
Der Initiativ-Flyer
Dieser Flyer fasst die Positionen für die Burgunpark-Initiative und gegen den Gegenvorschlag des Komitees zusammen. Der Flyer wurde in alle Haushalte in Neuhausen verteilt.
Der Initiativ-Text
Die Initiative verlangt, dass die Gemeinde Neuhausen am Rheinfall auf der Burgunwiese einen öffentlichen Park für Erholung und Spiel sowie als Begegnungsort betreibt. Damit wollen die Initiant*innen erreichen, dass die grösste Freifläche Neuhausens weiterhin der gesamten Bevölkerung offen steht.
Die Initiant*innen sehen durchaus auch Möglichkeiten, ein Gebäude für Gastronomie oder als Quartiertreffpunkt auf der Burgunwiese zu errichten, wenn dieses dem Initiativ-Zweck eines Begegnungsortes entspricht. Mit der offenen Formulierung der Initiative bleibt genug Spielraum, die Burgunwiese für die breite Bevölkerung zu attraktivieren.
Der Text der kommunalen Verfassungsinitiative im Wortlaut:
Art. 3a (neu)
Die Gemeinde betreibt einen öffentlichen Park für Erholung und Spiel sowie als Begegnungsort auf dem Grundstück GB Nr. 513 (Burgunwiese) und dem nördlich angrenzenden Grundstück GB Nr. 2967 (Burgunvilla) mit einer zusammenhängenden Fläche von mindestens 12‘000 Quadratmetern.